Logo Innsbruck informiert
551886227_0.jpg

Alt-Bürgermeisterin Hilde Zach im 69. Lebensjahr verstorben

Die Landeshauptstadt Innsbruck trauert.
Hilde Zach: Jahrzehnte politischer Einsatz, 15 Jahre Stadt- und auch Europapolitik, acht Jahre Bürgermeisterin. Ein Leben mit vorbildlichem Engagement für Gemeinwesen, Wirtschaft,
Politik, Kultur, mit Mut, Willensstärke und Durchsetzungskraft sowie mit großer Toleranz, viel Herz und spontaner Hilfsbereitschaft ging zu Ende.

(RMS) Nach langer schwerer Krankheit und über viele Jahre mit großer Geduld
ertragenem Leiden, das ihren überdurchschnittlichen Einsatz in ihrer Verantwortung
als Bürgermeisterin von Innsbruck aber in keiner Weise schmälerte, ist
Kommerzialrätin Hilde Zach in der Nacht vom 15. Jänner auf 16. Jänner im 69.
Lebensjahr zu Hause in der Obhut ihres langjährigen Lebenspartners Dr. Kurt Bruni
verstorben.

Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer: „Hilde Zach hat eine bedeutende
Ära für Innsbruck geprägt. Ihr unermüdlicher Einsatz für Innsbruck, ihr Mut und
Rückgrat, ihr Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt ihr soziales Wirken, ihr
Verständnis, ihre Toleranz und ihre Hilfsbereitschaft waren beispielhaft“.

„Es liegt alles in Gottes Hand, davon bin ich zutiefst überzeugt. Jeder Mensch muss
mit Aufgaben fertig werden, die ihm im Leben gestellt werden. Alles hat eine gewisse
Wichtigkeit und auch wieder nicht. In irgendeiner Form hat alles einen kausalen
Grund“, war eine von Hilde Zachs Lebensweisheiten.

Hilde Zach trat stets für die Toleranz und das Miteinander ein: Toleranz gegenüber
Kindern, MigrantInnen, Behinderten, Menschen, die das Leben nicht bewältigen
können, alten Menschen und Andersdenkenden.

Verantwortung und hoher Einsatz

Meilensteine setzte sie u.a. mit ihrem konsequenten Eintreten für eine gute
Balance zwischen dem historischen Erbe und der Moderne, den Neubau der
Hungerburgbahn, für das Projekt Straßenbahn/Regionalbahn, für die Neugestaltung
der Maria-Theresien-Straße und für die erfolgreiche Bewerbung Innsbrucks um die
ersten Olympischen Winterjugendspiele im Jahr 2012. In ihrer Ressortverantwortung
für die Finanzen war sie konsequent und gewissenhaft bemüht, den sparsamen Kurs
fortzusetzen, neue Schulden, wenn irgendwie möglich, zu vermeiden und hatte so
nicht nur den Haushalt der Stadt, sondern auch Gebarung der Beteiligungen im Auge.
Als Kulturverantwortliche war es ihr ein großes Anliegen, den Ruf Innsbrucks als
Kulturstadt international zu festigen, den großen traditionellen Kulturveranstaltern wie
z.B. Landestheater, Konzerte der Stadt, Festwochen und Tanzsommer eine optimale
Basis zu geben und gleichzeitig auch die junge Kultur entsprechend zu fördern. Mit
der Einführung des Neujahrskonzertes hat sie Innsbruck zu einem beschwingten
Start ins neue Jahr verholfen.

Erste Bürgermeisterin einer österreichischen Landeshauptstadt

Hilde Zach wurde am 30. Oktober 2002 in einer Sondersitzung des Gemeinderates
in Nachfolge von DDr. Herwig van Staa zur Bürgermeisterin von Innsbruck gewählt.
Innsbruck war somit die erste österreichische Landeshauptstadt mit einer Frau als
Stadtoberhaupt.

Rechtzeitig hatte Hilde Zach die Weichen für ihre Nachfolge gestellt und in der
früheren Stadträtin und Vizebürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer die
nach ihrer Ansicht am besten geeignete Kandidatin gefunden. Im Rahmen einer
Sondersitzung des Gemeinderates am 8. März 2010 im Plenarsaal des Innsbrucker
Rathauses wurde Mag.a Christine Oppitz-Plörer in Nachfolge von Hilde Zach mit
großer Mehrheit zur neuen Bürgermeisterin von Innsbruck gewählt.

Beeindruckend waren die Dankes-Bezeugungen für Hilde Zach, die von allen im
Gemeinderat vertretenen Fraktionen kamen und die die Bewunderung für ihren
überdurchschnittlichen Einsatz und ihr aufrichtiges Bemühen als Bürgermeisterin
zum Ausdruck brachten.

Für Hilde Zach war die Stadtpolitik das Leben, sie war rund um die Uhr für
Innsbruck im Einsatz, war mit allen Maßnahmen und Entscheidungen vertraut
und fehlte praktisch nie bei für die Stadt wichtigen Ereignissen. Sie fühlte sich
stets gesamtverantwortlich für alle Entscheidungen und für das Geschehen
in der Stadt. Für die Daseinsfürsorge, für Jugend und Familien, Aus- und
Weiterbildungsmaßnahmen, für Innsbruck als Bildungs- und Wirtschaftsstandort
hatte Zach stets zwei offene Ohren. Beeindruckend war auch ihr sozialer Einsatz
und die Zeit, die sie für einsame und in Not befindliche Menschen aufwendete, ohne
das je an die große Glocke zu hängen. Ihre „harte Schale“ überdeckte für manche,
die Hilde Zach nur oberflächlich kannten, ihre Herzlichkeit, ihr Verständnis und ihre
große Hilfsbereitschaft.

Ihre Liebe galt vor allem der Kultur, ihre größte Sorge - zuletzt verstärkt in der
Zeit der Weltwirtschaftskrise - dem Erhalt der in den letzten Jahren vorbildlich und
konsequent erkämpften Konsolidierung des Stadtbudgets mit Verwaltungsreform,
Schuldenabbau und einer gut durchdachten Investitionspolitik. Zach war auch
begeisterte aber zugleich auch kritische Europäerin. Die Europäische Einigung
bezeichnete sie stets als großes Friedenswerk.

Europäisches Engagement

Seit 2004 war Hilde Zach neben ihrer Funktion als Bürgermeisterin Vertreterin des
Österreichischen Städtebundes im Kongress der Gemeinden und Regionen des
Europarates. Von 2004 bis 2008 war sie als Vorsitzende des ständigen Ausschusses
für Kultur und Erziehung, zuständig für Medien, Jugend, Sport und Kommunikation
des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates tätig. Seit 2008 war
sie Vizepräsidentin des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates.
Es war ihr Verdienst, dass der 23. Europäische Gemeindetag 2006 in Innsbruck
stattgefunden hat. Mit der Verleihung der Ehrenmedaille des Europarates wurde ihr
europäisches Engagement entsprechend gewürdigt.

Am 22. Februar 2010 wurde Hilde Zach in Barcelona für ihr europäisches kommunalpolitisches Engagement geehrt. Die Ehrung steht unter dem Titel: „Bürgermeister, die Geschichte geschrieben haben.“ Unter den vielen Ehrungen und Auszeichnungen, die Zach erhielt, stechen
besonders die Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik
Österreich sowie die Ernennung zur Ehrensenatorin der Universität Innsbruck hervor.

Ehrenbürgerin Hilde Zach

Im engsten Familien- und Freundeskreis wurde Bürgermeisterin Hilde Zach im
Beisein der Ehrengäste Landeshauptmann Günther Platter, Alt-Bürgermeister und
Alt-Landeshauptmann Lt-Präs. DDr. Herwig van Staa und Bischof Dr. Reinhold
Stecher sowie Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer und Vizebgm.
Christoph Kaufmann am 19. März im Stadtsenatssitzungszimmer mit der höchsten
Würdigung der Stadt Innsbruck, der Ehrenbürgerschaft, ausgezeichnet.

Die Ehrenbürgerkette, die Hilde Zach feierlich überreicht wurde, ist die Kette von
Dr. Reinhold Stecher, die er zu seiner Ernennung zum Ehrenbürger erhielt. Mit
dieser Geste wollte Bischof Stecher seine große Wertschätzung für Hilde Zach
zum Ausdruck bringen. „Ich bin als Seelsorger und Bischof verwöhnt worden von
Persönlichkeiten, die Werte hochhalten und mit einer positiven Grundeinstellung
und Aufrichtigkeit ihre Ziele verfolgen. Zu diesen Persönlichkeiten zählt in
besonderer Weise Bürgermeisterin Hilde Zach. Es ist eine Ehre für mich, meine
Ehrenbürgerkette Hilde Zach überreichen zu können“, so Stecher damals.

Der Einstieg von Hilde Zach in die Stadtpolitik

Der Einstieg von Hilde Zach in die Kommunalpolitik erfolgte nach der
Gemeinderatswahl vom 24. April 1994. DDr. Herwig van Staa hatte gemeinsam mit
Hilde Zach beim ersten Antreten mit der Liste „Für Innsbruck“ die relative Mehrheit
an Mandaten erreicht und wurde Bürgermeister von Innsbruck. Hilde Zach übernahm
als amtsführende Stadträtin die Ressorts Kunst und Kultur, Wirtschaftsförderung und
Tourismus, Jugend, Frau und Familie und Statistik.

Nach der Gemeinderatswahl im Jahr 2000 wurde Herwig van Staa als
Bürgermeister bestätigt und Hilde Zach zur 1. Bürgermeister-Stellvertreterin mit den
Ressorts „Kultur“ sowie „Erziehung, Bildung und Gesellschaft“ mit Frauenförderung,
Familien und Senioren, Kinder- und Jugendförderung gewählt.

Am 30. Oktober 2002 folgte im Gemeinderat mit großer Mehrheit die Wahl zur
Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck, nachdem DDr. Herwig van Staa
am 26. Oktober als Landeshauptmann an die Spitze der Tiroler Landesregierung
wechselte. Hilde Zach damals: „Dass mein Weg und mein Wirken in der politischen
Öffentlichkeit eine Signalwirkung für andere Frauen ist, erfahre ich jeden Tag. Ich
glaube, dass sich vieles geändert hat und auch die Einstellung der Männer vielfach
eine andere wurde. Frauen sind heute eine echte, ernst zu nehmende Konkurrenz.
Mit uns Frauen ist zu rechnen“.

Bei der Wahl 2006 trat Hilde Zach als Bürgermeister-Kandidatin an, schaffte mit
der Liste „Für Innsbruck“ wieder die relative Mehrheit und wurde am 8. Mai nach
der Bildung eines Arbeitsübereinkommens von den Fraktionen „Für Innsbruck/
Seniorenbund, ÖVP und SPÖ mit 28 von 40 Stimmen erneut zur Bürgermeisterin
gewählt.

Lebenslauf

Hilde Zach ist am 25. August 1942 in Innsbruck geboren. Ihre Mutter stammte aus
einer mit 16 Kindern gesegneten Haller Salinenarbeiterfamilie. Die Eltern Josef Zach
(er kam mit 13 Jahren als Lehrbub von Bayern nach Hall) und Mathilde Ebenbichler
haben einander als Lehrbub und Lehrmädchen kennen gelernt und hatten später als
Eheleute die Möglichkeit, einen Betrieb in Hall von ihrem Lehrherrn zu übernehmen.
Selbst war sie das mittlere von drei Kindern. Die Schwester ist heute Wirtin im Leipziger Hof und der Bruder übernahm den seit kurzem nicht mehr bestehenden elterlichen Metzgereibetrieb in der Wilhelm-Greil-Straße.

Ihre Liebe zur Musik und zum Theater hat sie von der Mutter geerbt. Die Familie
Ebenbichler galt als sehr musikalisch und dem Theater verbunden.

Nach dem Besuch der Volks-, Haupt- und Handelsschule (im Internat in Feldkirch)
hat Hilde Zach später neben der Berufstätigkeit die Matura im Abendstudium
nachgeholt. In der Handelsschule war sie immer Vorzugsschülerin. Ihren Wunsch,
auf eine höhere Schule zu gehen und Lehrerin zu werden, hatte der Vater nicht
goutiert, weil er der Meinung war, „dass sich das nicht auszahlt, weil die Madeln
eh wegheiraten. „Alle mussten wir die Metzgerlehre machen und im Geschäft
mitarbeiten, mein Bruder hatte das männliche Privileg, die Handelsakademie
besuchen zu dürfen“, erzählte Zach einmal.

Hilde Zach kam mit 18 Jahren nach Innsbruck. Ihre Eltern hatten 1956 die
Bombenruine „Weiß“, das Eckhaus am Bozner Platz/Wilhelm-Greil-Straße erworben.

Im Alter von 20 Jahren - das war ihr erster Einstieg in die Politik – ist sie zur „Jungen
Wirtschaft“ gestoßen. Im Rahmen der politischen Laufbahn ist Hilde Zach mit 40 zum
Wirtschaftsbund gekommen, vertrat dort die Interessen der Innenstadt-Wirtschaft und
wurde 1990 Wirtschaftsbundobfrau.

Die kaufmännische Ausbildung bekam sie im elterlichen Betrieb, dort hatte
sie 20 Jahre eine Führungsposition inne. Anschließend folgten über 12 Jahre
selbstständige Tätigkeiten in verschiedenen Branchen u. a. auch in Deutschland,
Frankreich und England. Hilde Zach war Inhaberin einer gastronomischen
Vollkonzession. Viele kennen Hilde Zach auch noch von ihrem Betrieb „Zach am
Markt“, den sie später verpachtet hatte.

Zwei schwere Schicksalsschläge, von denen sie sich nicht aus der Bahn hat werfen
lassen, hat Hilde Zach erlebt. Mit 30 Jahren kurz vor der Heirat der tödliche Unfall
ihres Verlobten, Josef Norz – sie hatten gemeinsam die Tanzbar Fortuna in Zirl –
und 1997 die Krebserkrankung, die sie überwunden zu haben glaubte. Hilde Zach
lebte in Lebensgemeinschaft mit dem Innsbrucker Arzt Dr. Kurt Bruni.
16. Jänner 2011