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Die Preisträger des Grand Prix d'ECHO 2014 im Dom zu Freiberg: Martin Riccabona (Mitte) mit den beiden Drittplatzierten Simon Reichert (links) und und Nicolas Berndt. Der zweite Preis wurde nicht vergeben.
Die Preisträger des Grand Prix d'ECHO 2014 im Dom zu Freiberg: Martin Riccabona (Mitte) mit den beiden Drittplatzierten Simon Reichert (links) und und Nicolas Berndt. Der zweite Preis wurde nicht vergeben.

Martin Riccabona ist "Young ECHO-Organist of the Year 2015"

Der 1993 geborene Martin Riccabona absolvierte 2009 mit Auszeichnung die Musikschule Innsbruck und gilt heute in der internationalen Orgelszene als Ausnahmetalent: Nach mehreren hochkarätigen Auszeichnungen im In- und Ausland gewann er 2014 den ersten Preis bei dem „Grand Prix d‘ ECHO“ in Freiberg/Sachsen und wurde mit dem Titel „Young ECHO-Organist of the Year 2015“ ausgezeichnet.

Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer zeigt sich von den Erfolgen des 21-Jährigen beeindruckt: "Ich bin mehr als stolz darüber, dass in unserer Stadt solche vielversprechenden Talente ausgebildet werden. Martin Riccabona ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was man alles erreichen kann, wenn man seine Ziele konsequent verfolgt. Ich gratuliere diesem jungen Musiker von ganzem Herzen zur internationalen ECHO-Auszeichnung und bin mir sicher, dass wir auch in Zukunft noch viel von ihm hören werden."

Mit "Innsbruck informiert" sprach Martin Riccabona über seine Ausbildung an der Musikschule Innsbruck, seine konzertante Laufbahn und seine Motivation, dieses Instrument zu erlernen.

 

Herr Riccabona, sie sind erst 21 Jahre alt und bereits eine internationale Größe in der Orgel-Szene. Was hat Sie dazu bewegt, ausgerechnet dieses Instrument zu erlernen?

In meiner Familie musizierten alle, es lag als Kind irgendwo nahe, dass ich vielleicht auch einmal ein Instrument spielen würde. Das Interesse für klassische Musik war immer da. Dass es dann gerade die Orgel geworden ist, hängt mit zwei Eindrücken zusammen: Mein Vater half regelmäßig als Organist in der Kirche meines Heimatorts aus; hin und wieder habe ich ihn zur Orgel hinauf begleitet und fasziniert zugesehen und -gehört. Vor 14 Jahren besuchte ich dann auf einer Urlaubsreise mit meiner Familie die Marienkirche in Lübeck. Vom Anblick der gewaltigen Orgel an der Westwand der monumentalen Kirche war ich so überwältigt, dass ich im gleichen Moment beschlossen habe: Das ist es, dieses Instrument möchte ich spielen! Und dabei bin ich geblieben.

 

Welchen Ausbildungsweg haben Sie eingeschlagen, nachdem Sie sich dazu entschlossen haben, Organist zu werden?

 An der Musikschule Innsbruck durfte ich von 2004 bis 2009 fünf herrliche Jahre verbringen. In Richard Wieser hatte ich einen hervorragenden Lehrer, bei dem es nicht nur am Instrument sehr viel zu lernen gab, sondern mit dem ich mich auch über alles rund um das Thema Orgeln und Orgelmusik unterhalten konnte. So gab es immer viel zu musizieren, zu probieren, zu diskutieren – darüber sind die zwei Unterrichtsstunden, die ich dankenswerterweise in Anspruch nehmen durfte, immer wie im Flug vergangen. Meine ersten fünf Jahre als Orgelschüler in Innsbruck waren mir eine solide Basis, auf der ich in meinen folgenden Studienjahren aufbauen konnte.

  

Welche Bedeutung hatte die Musikschule Innsbruck für Ihren späteren Erfolg?

Selbstverständlich bildet das, was ich an der Musikschule Innsbruck gelernt habe, die Grundlage für vieles, was ich heute kann oder glaube zu können. Bei vielen Projekten wurde ich auch von Musikschulleiter Dr. Wolfram Rosenberger unterstützt, der sich sogar einmal bei einem Konzert in der Pfarrkirche St. Nikolaus beherzt als Registrant zur Verfügung stellte. Ich denke, alle Leute, bei denen ich Unterricht genießen durfte, haben auf ihre Art und Weise Anteil an den Erfolgen, die ich bis jetzt erleben durfte.

Ganz besonders waren für mich auch alle Möglichkeiten, außer Haus aufzutreten. Richard Wieser organisierte, probte und begeisterte sich mit mir unermüdlich für meine ersten paar Auftritte, die mir immer ganz besonders in Erinnerung bleiben werden. In ganz spezieller Weise zählt dazu auch die Abschlussprüfung, die ich an den drei Orgeln der Stiftskirche Wilten absolvieren durfte. Dass ich meine Zeit an der Musikschule Innsbruck auf solche Art und Weise beschließen durfte, war für mich schon ein besonderes Geschenk.

 

Im Anschluss an die Musikschule Innsbruck begannen Sie mit Ihrem Studium an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz in den Fächern Orgel und Cembalo. Wie kam es zu dieser Fächerkombination?

Im Herbst 2007 wurde für ein Ensembleprojekt anlässlich des Wettbewerbs „Prima la Musica“ ein Cembalist gesucht. Kurzerhand habe ich zugesagt und bildete nun zusammen mit drei Kolleginnen das Ensemble „Panta Rhei“, mit dem wir eine authentische und lebendige Musizierweise von Werken der sogenannten „Alten Musik“ erarbeitet haben. Aus meiner Sicht wurde damals der Grundstock für meine Begeisterung für das Cembalo gelegt, mit dem ich bis dahin kaum in Berührung gekommen war. Seit 2011 studiere ich es als mit der Orgel gleichwertiges Hauptfach. Die Kombination dieser beiden Instrumente bietet sich an, da es erstens im 15.-18. Jahrhundert ein großes Gemeinschaftsrepertoire gibt, das auf beiden Instrumenten gespielt werden kann. Zweitens sind es die wichtigsten Continuo-Instrumente für die Ensemble-, Figural- und Orchestermusik in Renaissance und Barock. Gewählt habe ich das Cembalo auch aufgrund seiner vielfältigen Einsetzbarkeit, etwa auch bei Oratorien- und Barockopernproduktionen. Für die Berufschancen ist die Wahl, sich auf beiden Instrumenten weiterzubilden, für mich von entscheidender Bedeutung.

 

Sie haben in Ihren jungen Jahren bereits mehrere hochkarätige österreichische und internationale Wettbewerbe gewonnen, zuletzt den 1. Preis beim „Grand Prix d' ECHO“ in Freiberg/Sachsen, bei dem Sie auch mit dem Titel "Young ECHO-Organist of the Year 2015" ausgezeichnet wurden. Hat Sie Ihre Ausbildung auf diesen Erfolg vorbereitet?

Erfolg ist auch immer relativ – wie ein einzelner Wettbewerb ausgeht, hängt von so vielen Dingen ab, nicht zuletzt gehört eine gewaltige Portion Glück und Tagesverfassung dazu. Deshalb sollte man Wettbewerbe, egal wie sie für einen ausgehen, auch nicht zu ernst nehmen. Sie sind nur eine Momentaufnahme.

Für mich sind die schöneren Erfolge ohnehin Konzertauftritte, alleine oder im Ensemble, egal ob beim Klassenabend im Orgelsaal der Hochschule oder im Preisträgerkonzert im Freiberger Dom.

 

Welche beruflichen Perspektiven bietet Ihrer Meinung nach eine fundierte musikalische Ausbildung?

Eine musikalische Berufslaufbahn kann je nach Instrument, Interesse und Fähigkeiten sehr viele verschiedene Formen annehmen, vom Konzertsolisten über den Orchestermusiker bis hin zum Pädagogen an einer Musikschule oder Musikhochschule und vieles andere mehr. Nicht zu vergessen die stilistische Bandbreite, die ja auch alle Sparten der Popularmusik mit einschließt! Im Moment bin ich mir nicht einmal so sicher, in welche Ecke des Musikerberufs es mich selbst in ein paar Jahren verschlagen wird. Ich hoffe ja sehr, noch einige Jahre an interessanten Orten studieren zu können!

 

Was empfehlen Sie anderen jungen Menschen, die eine musikalische Laufbahn anstreben?

Ich kann nur anführen, wovon ich selbst am meisten hatte: Sorgfältige Auswahl des Hauptfachlehrers bzw. der Hochschule, sich unbedingt selbst vorstellen und nicht auf gut Glück zur Aufnahmeprüfung anmelden. Für vieles offen sein, viel den KollegInnen auf anderen Instrumenten zuhören, immer wieder bereit sein, eigene Grundsätze umzustoßen. Am besten nicht nur an einem Ort studieren, ins Ausland gehen, sich Eindrücke von vielen Seiten holen!

Jedem, der von einer solchen Laufbahn träumt, kann ich nur raten, es unbedingt zu versuchen. Vielerorts ist es nicht mehr selbstverständlich, dass Musiker überhaupt ein gesellschaftlich relevanter Beruf sein kann und nicht nur eine Art „Hobby“ für das reine Eigeninteresse ist. Um dafür Bewusstsein zu schaffen ist es sehr wichtig, dass weiterhin junge Leute sich ihr Interesse und Talent zum Beruf machen und mit Begeisterung ausüben.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Riccabona für das Gespräch. Alles Gute und weiterhin viel Erfolg!